Franz Schubert
Franz Schubert

Franz Schubert (1797-1828)

 

  • Sonate A-Dur, D 574 op. 162,
    komponiert 1817
     
  • Rondo brillant h-moll D 895 op. 70,
    komponier 1826
     
  • Fantasie in C-Dur, D934 op. 159,
    komponiert 1827 
     
  • "Die Winterreise" für Streichquartett und Bariton
    (mit zeitgenössischen Überraschungen)
     
  • Klaviersonate in a-moll, D 784
    Als Schubert sich 1823 nach einer Pause von dreieinhalb Jahren und einem Lebensabschnitt voller Krisen, wieder der Klaviersonate zuwandte, stand er zu der klassischen Form in einem anderen Verhältnis als früher: er experimentierte nicht mehr, er hatte die Sicherheit gewonnen, die Form dem Gesetz seiner Begabung und Persönlichkeit anzupassen. Wer in Schubert vorwiegend den liebenswürdigen Träumer, den schwärmerischen, melodienseligen Musikanten sehen will, der mag bei der a-moll Klaviersonate D 784 eines besseren belehrt werden. So schmucklos, so konzentriert, streng, ja hart und dabei doch voll romantischer Hintergründigkeit, so ernst und männlich-herb gibt sich Schubert zwar nicht allzu selten, aber wohl nie in so kühner und eigenwilliger Weise. Kompromisslos reduziert auf das Wesentliche der Musik, wird hier im ersten und zweiten Satz auf alle pianistische Brillanz verzichtet und eine orchestrale Klangwelt aufgeschlagen. An Scarlatti erinnernde klavieristische Effekte bestimmen den Schlusssatz, die im Kontrast zu der wiegenden Gesangsmelodie, wieder einer der Schubertschen Eingebungen stehen. Mit gehämmerten Oktavläufen setzt sich schliesslich die fatalistisch-tragische Stimmung der ganzen Sonate am Ende durch. 
      
  • "Forellenquintett" D 667, op. 114
    Schuberts berühmtes „Forellenquintett“ ist zweifellos eines seiner besten und kostbarsten Werke. Der Titel „Forellenquintett“ stammt jedoch nicht von ihm, sondern wurde, wie so oft bei anderen Werken – man denke etwa an das „Geistertrio“ von Beethoven oder an die „Abschiedssinfonie“ von Joseph Haydn – zu späterer Zeit von Kritikern und Musikwissenschaftlern eingeführt.
    Zentraler Mittelpunkt des Werkes ist der dritte Satz „Andante con variazioni“, dessen liebenswürdiges Thema vom Schubertschen Lied „Die Forelle“ stammt. Alle fünf Instrumente sind kunstvoll am Geschehen beteiligt. Der Einbezug eines Kontrabasses steigert das Klangvolumen des Quintettes zu orchestraler Grösse.
     
  • Arpeggione Sonate
    Das Musikinstrument „Arpeggione“ wäre sicher als Kuriosum längst in Vergessenheit geraten, hätte Franz Schubert nicht seine Sonate für Arpeggione und Klavier in a-moll (D 821) geschrieben.
    Unter „Arpeggione“ versteht man ein im Jahre 1823 vom Wiener Geigenbauer Johann Georg Stauffer (1776 – 1853) erfundenes Streichinstrument, das Merkmale der Gitarre (Korpusform ohne überstehenden Rand mit flachem Boden, Metallbünden, sechs Saiten in der Stimmung E-A-d-g-h-e') sowie des Violoncellos (Saitenlänge, Steghöhe, Spielhaltung, Bogenführung, gewölbte Decke) in sich vereinigt. Die Grundidee lag darin, die Bauprinzipien der Gitarre mit den Ausdrucksmöglichkeiten und dynamischen Qualitäten des gestrichenen Tones zu verbinden. Zeitgleich mit J.G. Stauffer baute auch Peter Teufelsdorfer in Pest ein ähnliches Instrument, das Guitarre d'amour, Bogengitarre oder Sentimentalgitarre genannt wurde.
    Schubert hat die klanglichen Möglichkeiten in der „Arpeggione Sonate“ aufs Schönste ausgeschöpft und genau den richtigen Ton des „Sfumato amoroso“ getroffen, also ein „dunkler, inniger und verliebter Ton“. Trotz der a-moll Tonalität fällt den drei Sätzen alles Schwere ab. Es herrscht eine heitere und unbeschwerte Grundstimmung.
    Alle drei Sätze sind relativ knapp und konzentriert und warten mit allerlei akrobatischen, sehr virtuosen Passagen des Soloinstruments auf, währendessen das Klavier meistens rein begleitende Funktionen übernimmt. Reich an melodischer Erfindungskraft ist der erste Satz, dessen inniges Hauptthema ganz aus dem Charakter des Soloinstruments heraus erfunden ist. Das folgende Adagio in der hellen Tonart E-Dur, ist eher eine ausdrucksvolle langsame Einleitung zum Finale als ein eigenständiger Satz, während das abschliessende Rondo mit seinem unterhaltend-liebenswürdigen Hauptthema dem Soloinstrument viel Virtuosität abverlangt.
      
  • Klaviertrio B-Dur, D 898, op. 99 (1827)
    Mit Beethovens letztem grossen Klaviertrio op. 97 hat Schuberts B-Dur Werk, das im Todesjahr Beethovens entstanden ist, nicht nur die Tonart, sondern auch den Umfang gemeinsam. Im Übrigen aber zeigt es ausgeprägt individuelle kompositorische Züge, so dass man in mancher Hinsicht von einer Weiterentwicklung dieser klassischen Gattung aus dem Geist der beginnenden Romantik sprechen kann.
    Dieses Weiterführen über Beethoven hinaus zeigt sich vor allem an der Verstärkung der lyrischen, gesanglichen und klangsinnlichen Momente und, wie immer in Schuberts späten Werken, im Reichtum an harmonischen Überraschungen.
    Die Komposition entstand im Oktober 1827, im Anschluss an den Liederzyklus „Die Winterreise“. Schubert war damals schon selbst von schwerer Krankheit gezeichnet; er litt unter Depressionen und nannte sich selbst den Unglücklichsten und Erbärmlichsten alle Menschen. Dennoch arbeitete er geradezu verbissen weiter und schuf noch eine Fülle von Meisterwerken in der kurzen Zeit vor seinem Tod, der ihn im darauffolgenden Jahr ereilte.
    Im B-Dur Trio, D 898 ist von der schwierigen psychischen und gesundheitlichen Situation Schuberts auf den ersten Blick nichts zu spüren. In kaum einem anderen Werk weicht Schubert so beherzt von den damals geltenden Vorbildern ab. Harmonische Verwerfungen, aufgebrochene Formen, motivische Dichte: Schubert geht hier unerschrocken neue Wege.
     
  • Klaviersonate in A-Dur, D 664
    Die frühe Klaviersonate in A-Dur, D 664 von Franz Schubert, entstand im Sommer 1819 während eines Aufenthalts in Steyr. Er schrieb sie für die achtzehnjährige Tochter seines Gastgebers in Steyr, Josefine von Koller, genannt Pepi, die nach Schuberts Worten „wirklich ganz allerliebst und sehr talentiert“ war.
    Aus den drei Sätzen der Sonate spricht deutlich die Stimmung dieses Sommers, die Schubert so beschrieb: „Innige Zufriedenheit, ein warmes, mildes Sonnenlicht, Heiterkeit und Ruhe – A-Dur eben... Die beste Medizin gegen Trübsinn!“ Die ganze Thematik und die Leichtigkeit der Verarbeitung dieses Werkes erinnert in seiner apollinischen Klarheit an Mozart.
     
  • Sonate op. posth 143 in a-moll, D 784
     
  • Sonate in B-Dur, D 960
     
  • Streichquintett in C-Dur
    An diesem Streichquintett in C-Dur aus dem Todesjahr 1828 von Franz Schubert kann man erkennen, welch weiten Weg die stilistische Entwicklung seit Mozart genommen hat. Äusserlich betrachtet liegt diesem Werk das gewohnte klassische Modell des Sonatenzyklus zu Grunde und dennoch treten wir hier in eine völlig andere, neuartige Klangwelt ein und begegnen zugleich einem der einsamen Gipfel der gesamten Kammermusikliteratur. Auffällig ist, dass Schubert sich in der Besetzung von der noch jungen Tradition löst, die bei Mozart und Beethoven zwei Bratschen, aber nur ein Violoncello vorsah. Schubert folgt hier Boccherinis Vorbild. Das 2. und das 1. ganz unabhängige Cello verleiht dem Werk das dunklere, vollere Timbre und ermöglicht zugleich eine wirkungsvolle Doppelgleisigkeit der tiefen Klangregion. Über diesem einzigartigen Werk, das auch in zeitlicher Dimension ins Riesenhafte angewachsen ist, liegt ein unbeschreiblicher Klangzauber edelster Romantik.

Unter den grossen Meistern der Musik die in Wien lebten und schufen, war Franz Schubert als einziger auch ein Kind dieser Stadt. Er wuchs im eher ärmlichen Quartier des Alsergrundes auf und war Zeit seines Lebens dieser Stadt verbunden. Niemals hat er die Grenzen der Habsburgischen Monarchie überschritten, deren geistiges und politisches Zentrum Wien war. Die äussere Enge und Beschränkung seines Lebensrahmens erklärt Schuberts inniges Verhältnis zu dieser seiner Heimat, ihrer Landschaft und Kultur. Die Mentalität der österreichischen Menschen war ihm vertraut; sie war zugleich – bei aller Steigerung und Sublimierung, die sie in seinem Werke erfuhr – die seine. Im Jahre 1814 – Schubert war damals siebzehn Jahre alt – tagte unter der geistigen Führung des österreichischen Kanzlers Fürst Metternich der Wiener Kongress, der zum Symbol der Restauration geworden ist.
Drei Jahres später fassten Beauftragte Deutschlands und Oesterreichs auf Betreiben Metternichs in Karlsbad die berüchtigten Beschlüsse, mit denen in beiden Ländern eine überaus scharfe Zensur und strenge Aufsicht über die Universitäten als Brutstätten revolutionärer und freiheitlicher Gedanken eingeführt wurden. So legte sich nun der dunkle Schatten eines nur durch die Kraft der Bajonette aufrechterhaltenen Polizeiregimes über diese Länder, das jeden Bürger argwöhnisch beobachtete und überall Verdächtige und Demagogen witterte. Nirgends war diese Bedrückung so spürbar wie in Wien, dem Zentrum der Restauration.
Franz Schubert ist der grösste und typischste Repräsentant dieser in sich unerhört zwiespältigen Restaurationsepoche, deren ganze Problematik und Härte sich in seinem Werk mit erschütternder Grösse spiegelt. Keiner der herrschenden künstlerischen „Strömungen“ ist seine Musik eindeutig zuzuordnen, weil in ihr der grandiose Versuch unternommen wurde, die klassische Tradition, die an die Namen Haydn, Mozart und Beethoven geknüpft ist, der deprimierenden Wirklichkeit zum Trotz weiterzuführen und den veränderten Bedingungen gemäss zu wandeln.
Im Januar 1821 fand in der Wohnung des Dichters Franz von Schober die erste, dokumentarisch belegte Veranstaltung mit der Aufführung Schubert’scher Werke sowie Dichterlesungen statt, die man im engeren Sinne als „Schubertiade“ bezeichnen kann. Diese Zusammenkünfte von Künstlern, Musikern, Dichtern und Malern waren eine Art Gegenwelt, ein Rückzug vor der rauhen Wirklichkeit und eine Flucht in die Vergangenheit. Zugleich boten diese Abende Gelegenheit, neueste Werke von Schubert vorzustellen. Zum engen und auserlesenen Freundeskreis der Schubertiaden zählte auch Franz Lachner der sechs Jahre jünger als Franz Schubert war, ihn aber um 68 Jahre überlebte.