Dimitry Schostakowitsch
Dimitry Schostakowitsch

Dmitry Schostakowitsch (1906-1975)

Дмитрий Дмитриевич Шостакович

 

  • Klavierquintett g-moll op. 57 (1934)
    Aus dem Nährboden von Anpassung, innerer Emigration und geschickter Tarnung zum Russischen Regime und der politischen Konstellation ist die Komposition des 1940 entstandenen Klavierquintetts g-moll, op. 57 zu verstehen, das nach der Uraufführung 1940 in Moskau, ironischerweise mit dem Stalinpreis ausgezeichnet wurde. Schostakowitsch befleissigt sich hier, ein absolut tonales Stück zu schreiben. Er geht kein Risiko ein, alles ist kühl kalkuliert und orientiert sich wie in keinem anderen Werk an der Satzkunst J.S.Bachs, speziell an dessen Fugenverarbeitung, die in diesem Quintett von Schostakowitschs unglaublich phantasievoller Souveränität und Meisterschaft zeugt.

  • Adagio (Elegie) aus op. 29 und Allegretto (Polka) aus op. 22
    Die zwei Stücke für Streichquartett, „Elegie“ und „Polka“ stammen aus dem Jahre 1931, wurden jedoch erst 1985 von der Moskauer Staatlichen Agentur für Urheberrechte freigegeben. Sie entstanden 7 Jahre vor dem ersten Streichquartett op. 49. Die Musik der „Elegie“ ist identisch mit Katerina Ismailovas Arie am Ende des 1. Akts der „Lady Macbeth von Mzensk“.

     

  • Streichquartett Nr. 8 in c-moll, op. 100

 

Schostakowitschs Musiksprache ist immer noch voller Rätsel und Geheimnisse. Als Mitglied des Präsidiums des Sowjetischen Komponistenverbandes und mehrfach Abgeordneter des Obersten Sowjets, war er fest in das stalinistische Kultursystem eingebunden, bewahrte jedoch seine künstlerische Eigenständigkeit durch eine ganz bewusste Tarnung, die sein wahres Ich hinter tausend Masken verbarg.

Seine Musik ist widersprüchlich, mehrdeutig und undurchschaubar. Was ist intendiert, was ist subversive Kritik? Die Geschichte um das Verbot seiner Oper „Lady Macbeth von Mzensk“ steht dafür exemplarisch und ist in der Musikgeschichte singulär. 

 

Dmitri Schokstakowitsch wurde 1906 in St. Petersburg geboren und hat Russland, bis auf einen Kurzurlaub in der Nähe von Dresden auf Einladung der DDR-Führung, nie verlassen. Trotzdem avancierte er zum meistaufgeführten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Seine 15 Sinfonien und ebensoviele Streichquartette gehören zu den Hauptwerken des zeitgenössischen Musikrepertoires.

Zeitlebens stand Schostakowitsch zwischen Anpassung, innerer Emigration und geschickter Tarnung zum Russischen Regime. So erhielt er im März 1927 den Auftrag, für die Feierlichkeiten zum 10. Jahrestag der Oktoberevolution eine Art Hymne zu schreiben. Daraufhin komponierte er im Sommer des gleichen Jahres die zweite Sinfonie „An den Oktober“, eine seiner avantgardistischsten Kompositionen dieser Zeit. Hinter den scheinbaren Zugeständnissen an das stalinistische Regime versteckte Schostakowitsch an vielen Stellen eine Mischung aus Spott, Sarkasmus und Kritik an den politischen und gesellschaftlichen Zuständen.

Die Oper  „Lady Macbeth von Mzensk“war 1934 uraufgeführt worden und lief bereits zwei Jahre lang erfolgreich an mehreren sowjetischen Bühnen, als am 26. Januar 1936 Josef Stalin eine Aufführung besuchte. Kurz darauf erschien in der Zeitung Prawda unter der Ueberschrift „Chaos statt Musik“ ein vernichtender Artikel über diese Oper und eine allgemeine Abrechnung mit der modernen Musik, was Schostakowitsch beinahe das Leben gekostet hätte oder mindestens die jahrelange Verbannung in den sibirischen Gulag. Schostakowitsch wurde aufgefordert, sich von „kleinbürgerlichen formalistischen Verkrampfungen“ und „linksradikaler Zügellosigkeit“ zu distanzieren und sich stattdessen einer natürlichen, menschlichen Musik zu befleissigen. Schostakowitsch fürchtete um sein Leben und hatte die Wucht dieser Attacke sofort verstanden. Ab 1936 kam die Terrormaschinerie des Stalin-Regimes richtig in Fahrt, was für viele Künstler Angst und brutale Willkür bedeutete. Es war der Auftakt zu einer grossangelegten Kampagne, mit der die Kunst in allen Disziplinen auf die Linie des sozialistischen Realismus gezwungen werden sollte. Man pochte, von ganz oben verfügt, auf kulturideologische Gleichschaltung in allen Bereichen.